Woche 5 – Ende in Sicht

von Audio 88, Yassin

Der Song diese Woche spielt mit dem Phänomen der kognitiven Dissonanz: Ich beobachte mich selber, wie ich den ganzen Tag über ganz normale Dinge tue, von denen ich weiß, dass sie moralisch verwerflich sind. Ich weiß über Kaffee Bescheid und über Paketlieferdienste, aber was ich richtig finde und was ich am Ende tue fällt auseinander. Was heißt das für mich? Bin ich jetzt schlecht, oder sind die Handlungen doch gar nicht so verkehrt, wie ich dachte? Wir Menschen können diese Dissonanz nicht gut auszuhalten und versuchen den Krampf irgendwie aufzulösen. Statt die Handlung selbst oder die Folgen zu leugnen, geht der Song den dritten Weg und wirft die Werte über Bord: “Ja, ich mach das so und ich weiß, das hat harte Konsequenzen. Aber wenn deshalb alles den Bach runter geht, habe ich da einfach kein Problem mit – Punkt.”

Diese “Mir egal, ich glaub an gar nichts mehr!”-Haltung greift gerade stark um sich. Wir gehen in diese Schutzhaltung, weil wir die Augen nicht verschließen können vor dem Leid, das wir anrichten und gleichzeitig damit überfordert sind, unser Verhalten zu ändern. Besonders produktiv ist dieser Nihilismus nicht, aber muss auch nicht, ist ja die Weltuntergangsliste.

Heute ist ein guter Tag wie jeder andere,

die Sonne geht auf,

ich nehme das Leben eines armen Bauern,

koch es mir auf.

Audio 88, Yassin