Woche 23 – Angst hab

von Heisskalt

In einer Öffentlichkeit, in der Angst häufig zu Unrecht geschürt und instrumentalisiert wird, finden wir keine sonderlich guten Formen, um andere, durchaus berechtigte Angst gesellschaftlich zu verhandeln. Wenn junge Menschen etwa davon sprechen, dass sie wegen der Klimakrise Angst um ihre Zukunft haben, findet das bisweilen wenig Anerkennung und erzeugt kaum Empathie. Die Gefühlsäußerung wird nicht ernstgenommen, sondern als moralisches Druckmittel, als strategisches Maneuver oder rethorischer Kniff missverstanden und in ihrem Inhalt ignoriert.

Heisskalt bringen in ihrem Song neben der Angst noch andere negative Emotionen wie Trauer, Wut und Zweifel direkt an den Tisch: Natürlich geht es uns so! Wem es nicht so geht, der sieht nicht hin! Der kann sich nur abgelenkt oder verstellt und verschlossen haben, angesichts der Welt, die wir erleben! Das Lied, das mich in seiner Form an eine Sprachfuge erinnert, treibt kompromisslos einen zentralen Gedanken unserer Generation in den Mittelpunkt: Die Haltung des Weglaufens und Versteckens wird die schlimmen Umstände der Gegenwart nicht ungeschehen machen und das Leid am Horizont nicht verhindern. Die Ignoranz, die unser öffentliches Sprechen über die Zukunft und unser gesellschaftliches Nicht-Handeln prägt, ist grundfalsch und in ihrer Dominanz einfach zum Fürchten.

Wer das nicht merkt, sieht, bewusst oder unbewusst, aus Unvermögen oder aus Kalkül, einfach nicht genau genug hin.

Bringt euch in Sicherheit!

Blind, stolz

und hinter Ungenauigkeit.

Heisskalt