Woche 22 – Mit Scherenhänden

von Spaceman Spiff

Dieser melancholische Song von dem insgesamt ziemlich melancholischen Spaceman Spiff setzt sich intensiv mit dem Thema Schuld und unbeabsichtigten Handlungsfolgen auseinander. Unsere Generation befindet sich im ständigen Konflikt mit dem eigenen Selbstbild. Niemand von uns möchte Umweltzerstörer*in sein, Kinderarbeit unterstützen, Menschen in die Flucht treiben. Aber alle tun wir es, allein durch unser Leben in dieser Gesellschaft, deren Wohlstand auf dem Leid anderer fußt, als Nutznießer*innen von Selbstverständlichkeiten, die eigentlich keine sind und Konsument*innen von Produkten, die oft nur mit größerem persönlichen Aufwand ohne, oder zumindest mit weniger Leid und Zerstörung im Gepäck zu haben sind.

In dem Song geht es um den Wunsch, in diese Welt zu passen, ein Leben zu entfalten und es gut zu haben, ohne im Zuge dessen immer gleichzeitig anderen zu schaden und mit dem eigenen Lebensweg Schneisen der Verwüstung zu schlagen. Es geht um das Bedauern der Normalität, mit der diese Zerstörung stattfindet und von uns ausgeht, um eine Sensibilität für die Ungerechtigkeit, die darin liegt, dass es für diese Schäden keine Verantwortlichkeit gibt. Der Fokuspunkt ist am Ende die Einsamkeit, die der Protagonist verspürt, wenn er “ungewollt mit Scherenhänden Herzen ersticht”, sich für eine Besserung einsetzen will und sich damit alleingelassen fühlt. Diese Einsamkeit verhärtet uns und ist nah mit der Entfremdung verwandt, die überhaupt dazu führt, dass wir uns von den Folgen unser Handlungen distanzieren.

Salz aus meinen Augen läuft in eure Wunden,

für Sekunden wird das Große in mir klein.

Denn auch ich geh’ über Leichen aus und ein.

Spaceman Spiff