von Yassin

Diese Woche mache ich eine Ausnahme und stelle einen Song vor, der eigentlich gar nicht so richtig zur Themen-Agenda der Weltuntergangsplaylist passt. Die Playlist hält die Lupe auf die Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Depression. “Abendland” handelt eher von Rassismus und sozialer Gerechtigkeit, also etwas abseits davon – aber das Thema liegt gerade oben auf bei mir.

Mit diesem Feature will ich eine Sorge ausdrücken, die mich die letzten Tagen viel umtreibt. Wie reagiere ich auf Hass und Aggression, die in Räumen einbrechen, wo wir uns über unser Zusammenleben austauschen wollen (und müssen)? Können wir ein faires Gespräch aufrecht erhalten, wenn jemand unsere Gesprächsregeln ausnutzt, um sich Zugang zu verschaffen und andere niederzubrüllen? Freitag werde ich meine alte Schule für eine Podiumsdiskussion besuchen, wo auch eine Faschistin zu Gast sein wird. Das konnte ich nicht verhindern, ich hätte nur fernbleiben können.

Vor zwei Wochen habe ich im Stream ein Buch über die vergiftete Kommunikation der BILD vorgestellt. Letzte Woche habe ich ausführlich meine Haltung zu Faschist*innen auf Podien erklärt. Diesen Donnerstag ist ein Medienpädagoge zu Gast und wir sprechen über Diskriminierung im Digitalen Raum. Wie kommt es, dass ich mich mit Blick auf Freitag nicht um die Inhalte der anderen demokratischen Parteien sorge, so falsch ich sie auch finden mag? Meine Sorge gilt vor allem der Frage, ob wir es gemeinsam schaffen, der vergifteten Sprache des Faschismus die Stirn zu bieten und unser Gespräch nicht zerschlagen zu lassen.

Aber jetzt zum Song: Yassin spricht diejenigen an, von denen Hass und Gewalt ausgehen und beschreibt deutlich (und richtig, wie ich finde), dass dahinter eben keine Gründe stehen (“Hass der keine Gründe braucht, …”), sondern die eigene Verletzlichkeit und Unsicherheit. Aggression als Abwehrbewegung gegen die, vor denen ich Angst habe, die mir was wegnehmen könnten. Und ebenso deutlich sagt Yassin, dass dieser Hass und die Gewalt die völlig Falschen trifft (Dass Hass und Gewalt grundsätzlich kein guter Umgang mit der eigenen Verletztlichkeit sind, sei mal dahingestellt).

Mit pointierten Fragen bohrt Yassin nach, worin denn tatsächlich die Gründe für die Unsicherheit und bisweilen miserable Lebenslage derer liegen, die sich in diesem Kampfmodus befinden und austeilen? “Wem gehört dein Geld und wem dein Haus?”, oder “Wofür willst du mich hassen? Ich kann dir nichts mehr nehmen, wenn sie dir nichts mehr lassen”. Wir sind alle eine Gemeinschaft. Wenn es Teilen von uns nicht gut geht, dürfen wir nicht auf die Anderen los gehen, denen es auch nicht gut geht. Wir dürfen uns nicht gegeneinander aufstacheln lassen, sondern müssen gemeinsam dafür sorgen, dass sich die Lebensbedingungen aller verbessern, damit wir uns insgesamt sicherer und weniger verletzlich fühlen.

Missgunst reißt gierig die Pupillen auf,

brüllt so laut,

dass sie ihrer Beute alle Sinne raubt.

yassin