Woche 17 – Andrew Huang

Musik-Content auf YouTube ist für mich eine solche Bereicherung, weil ich neben der Musik selbst so gute Einblicke in das “Wie” und “Warum” bekommen kann, was mich persönlich besonders interessiert und beeindruckt. Ich kann Musikstücke und Interpreten noch mal eine ganze Ecke besser wertschätzen, wenn ich die Geschichte zu dieser Arbeit weiß, wenn ich sehen kann, wie die Musik entsteht und die Fähigkeiten bewundern kann, die das Endergebnis zu dem machen, was es ist. Dazu müssen die Macher*innen, zusätzlich zu ihren musikalischen Skills, auch noch gut raus haben, wie sie ihre Arbeitsprozesse in Videoform verarbeiten und darstellen – eine absolute Mehrfachqualifikation, die längst nicht jede*r haben kann!

Umso dankbarer bin ich für Leute wie Andrew Huang. Er ist ein absolutes Powerhouse, der sich völlig selbstständig erstmal ein Berufsfeld erfunden hat, um dann darin direkt eine beeindruckende Karriere aufzubauen. Mehr noch als einen Produzenten und Musiker, sehe ich Andrew als einen Musik-Kommunikator, der kreative Arbeit im Allgemeinen und insbesondere digitale Musikproduktion direkt am Beispiel zeigt, damit wir diese Kunstform entdecken und darüber lernen können. Hier meine Empfehlungen:

Die Grundlage des Kanals ist das Aufsuchen von und Herumprobieren mit Musik, wo und wie man es vielleicht nicht erwartet. Das wird auf seinen Ausflügen deutlich, wenn er etwa Delphine aufnimmt, um aus den Sounds Songs zu basteln, oder zum selben Zweck einen verlassenen Flugzeughangar besucht. Eine weniger spielerische und mehr produktionsorientierte Seite dieses Suchens und Probierens sind klassische (aber gute!) Product-Reviews von Instrumenten und Peripherals für digitale Musikproduktion. Dabei kommen auch experimentelle, kuriose Instrumente zum Zuge, wie ein Synthesizer zum Reinpusten, oder einer zum Spielen für oder mit Babies und Kleinkindern.

Nachhaltig begeistert hat mich aber ein anderes Projekt von ihm – 4 Producers 1 Sample, wo er immer drei andere Künstler*innen einlädt, um jeweils von derselben Grundlage aus komplett unterschiedliche Songs zu kreieren. Ich bin jedes Mal wieder komplett beeindruckt von diesen Leuten und was sie in kurzer Zeit aus den Samples machen. Sowas kann ich mir tagelang anschauen und ich kann jede Episode empfehlen!

Wie auch bei einigen anderen Features, möchte ich auch bei Andrew Huang auf eine andere Form von Content hinweisen, die ich besonders wertschätze: Das offene Sprechen über den eigenen Umgang mit berufsrelevanten oder allgemein lebenswirklichen Schwierigkeiten. Auch Superstars haben ihre Hürden zu nehmen und Sorgen zu bewältigen. Hier spricht Andrew etwa über seinen voranschreitenden Hörverlust und was das für seine Karriere und seine Passion bedeutet. Und hier beschreibt er sein bisweilen schwieriges Verhältnis zu seiner eigenen Sing- und Sprechstimme und wie er den damit verbundenen Ängsten im professionellen und persönlichen Bereich begegnet. Sehr eindrücklich und wahr!