Woche 16 – Hauptsache nichts mit Menschen

von Deichkind

Der Wahlkampf geht los, Euphorie, Euphorie (stellt euch das ruhig im Patrick-Salmen-Ton vor). Ab jetzt sehe ich wieder ständig Leute. Radtouren, Podien, Besichtigungen, das ganze Programm. Nach vielen Monaten der anhaltenden Distanzierung wechseln wir alle gemeinsam wieder zusehends in ein Modus, auf den ich ehrlich gesagt gar nicht so heiß bin: Es menschelt.

Vielen Leuten gleichzeitig in losen Verbänden zu begegnen, strengt mich überdurchschnittlich an. Soziale Codes bedienen, Blicke und Gestik deuten, Irritationen und Befindlichkeiten umschiffen und natürlich (wer hat es nicht vermisst?) Smalltalk. So sehr es mir die letzten anderthalb Jahre gefehlt hat, meine Freund*innen und Familie zu sehen, so wenig hat es mir bisweilen gefehlt, alle anderen zu sehen. Dieser Song von Deichkind fängt wunderbar das Gefühl ein, das ich angesichts größerer Menschenaufläufe häufig habe. Wie ein kurzes Zusammensacken: “Ach Gott, was nun wieder?” Es wäre falsch, zu sagen, dass ich keine Menschen mag, sie sind nur eben anstrengend. Vielen sensiblen Gemütern geht es so und sie laufen auf einem schmalen Pfad zwischen der latenten Überreizung auf der einen Seite und Einsamkeit auf der anderen.

“Mensch, da hast du dir ja mit der Politik genau den falschen Job ausgesucht!”, könnte man wohl meinen. Erstmal hab ich mir das gar nicht ausgesucht, würde ich erwidern. Denn die Veränderung der Gesellschaft hin zur Nachhaltigkeit ist eine Notwendigkeit, der ich mich vor einigen Jahren verschrieben habe und Politik ist für mich einfach der beste Weg, das zu erreichen. Zweitens meine ich, dass es Leute wie mich genauso braucht da, wo ich hin will. Ich bin keine Rampensau, kein jovialer Lebemann. Ich mache das hier nicht, um neue Freunde zu finden, nicht, weil es mir so gefällt, im Mittelpunkt zu stehen und auch nicht wegen, sondern eher trotz der ganzen Aufmerksamkeit. Es gibt einen Haufen Gründe, wegen derer ich diese ganze Kandidatur-Geschichte großartig und aufregend und bereichernd finde, aber die Aussicht, ständig unter fremden Menschen zu sein, gehört nicht dazu.

Du willst jetzt hier nicht wirklich

allen noch Hallo sagen?

Ich würd jetzt langsam

wirklich gerne los fahren.

Deichkind