Woche 15 – Erdbeeren ohne Grenzen

von Mine & Fatoni

Mit diesem Song stellt Mine die Frage, ob Vielfalt um jeden Preis zu haben sein muss. Es geht um persönliche Verantwortung und um die verbreitete Unfähigkeit, mit Schuld umzugehen. Mich erinnert der Song auch daran, dass wir uns alle gemeinsam unsere gesellschaftliche Wirklichkeit selber schaffen.

Punkt 1 – Vielfalt: Alle mögen Erdbeeren, klar. Aber niemand braucht Erdbeeren so spät (oder früh) im Jahr und der Aufwand (und Schaden), der in Kauf genommen wird, um sie ein, zwei Wochen früher ins Regal zu stellen, ist komplett unverhältnismäßig. Wir wissen, dass das eine Scheißidee ist und niemandem würde es was wegnehmen, wenn es das nicht gäbe. Die Erdbeere steht aber nur symbolisch für die vielen unnötig dummen Entscheidungen und von uns selber verursachten Ungerechtigkeiten, die wie ein Grundrauschen in unserem Alltag liegen.

Punkt 2 – Schuld: Fatoni spielt die Rolle des typischen Konsumenten, der sich von seiner eigenen Gedankenlosigkeit distanzieren will. Der Grundstimmung des Liedes: “Hey, deine Handlungen haben Auswirkungen, check mal deine Veranwortung!”, steht die Abwehrhaltung gegenüber: “Damit hab ich doch nichts zu tun, lass mich in Ruhe.” Die Zeile im Refrain mit dem Händewaschen bezieht sich auf das biblische Bild von Pontius Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht. Fatoni will also die Verantwortung für seine Entscheidungen abstreifen und einfach weiter gedankenlos sein Ding machen.

Punkt 3 – Gesellschaftliche Wirklichkeit: Im Konsum von Musik, wie im Konsum von Lebensmitteln kritisiert Mine dieselbe banale Grundhaltung: Warum ändern wir unsere Gewohnheiten nicht? Warum machen wir es nicht besser? “Weil das halt so ist. Das ist normal so!”. So ausgesprochen dumm dieses Argument auch ist, begegnet es mir dennoch fast täglich. Ich staune selber häufig, wie wenig verbreitet die Wahrnehmung dafür ist, dass wir alle gesellschaftliche Normalität ständig überarbeiten und neu erschaffen. Was auch immer wir machen, das ist dann eben normal. Diese “Das ist halt so”-Haltung zu Dingen, die wir vollkommen selber in der Hand haben, ist regelmäßig eine echt Blockade für meine Arbeit und ein stetiger Quell der Frustration.

Und ich rufe: “Turn das Radio on!”

Geschmack ist, wenn du sagen kannst: “Das kenne ich schon!”

Mine & Fatoni