Woche 14 – Traurige Träume

von Schrottgrenze

Der Song diese Woche stellt eine einfache aber wichtige Frage an die Menschen, die heute für sich beanspruchen, über unser aller Zukunft entscheiden zu wollen: “War’s das schon?” Wir sind an einem schwierigen Punkt, so insgesamt als Gesellschaft und vielen geht es nicht gut. Was ist also der Plan? Wem jetzt im Alltag, wie in der Politik, nichts Besseres einfällt als Entsolidarisierung, Gruppendenken und Angriffe auf “die Anderen”, dem fehlt der produktive Blick nach vorne, den wir brauchen und zurecht von allen Anführer*innen erwarten.

“Ist da noch mehr als diese traurigen Träume?” Was sind die Visionen, die gerade zur Diskussion stehen? Wir brauchen keine Abwehrhaltung, die so tut, als wären wir im Großen und Ganzen alle okay und wer da rausfällt, der*die zählt halt nicht. Wir dürfen auch nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen: Genauso wenig brauchen wir nämlich irgendwelche Horrorszenarien, die uns gegeneinander auf die Barrikaden treiben und uns sagen, es sei zu spät für Gemeinsamkeit und wir müssten uns verteidigen.

Der andere Weg ist richtig: Wir brauchen dringend tiefgreifende Veränderungen, um Ungerechtigkeiten aufzulösen und unsere gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern. Aber die können wir nur gemeinsam schaffen, wenn wir uns nicht gegeneinander aufbringen lassen, sondern Toleranz üben und uns einander wohlwollend annähern. Wer diese Träume hat und davon glaubwürdig spricht, die sollten wir über uns erheben und für uns entscheiden lassen.

Was ‘ne beschissene Einstellung,

so wird hier niemand gleich!

Schrottgrenze

Und hier noch ein bisschen Kontext zum Zitat am Anfang:
Ernst Bloch (1885-1977) war ein deutscher Philosoph, der im amerikanischen Exil sein Hauptwerk “Das Prinzip Hoffnung” geschrieben hat. Er hat auch in der DDR gelebt, ist von dort aus in die BRD migriert und war Unterstützer der Student*innenbewegung der 60er. Das Zitat aus dem Song kommt aus dem Vorwort. Da steht etwas ausführlicher:

Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns? Viele fühlen sich nur als verwirrt. Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht.

Einmal zog einer aus, das Fürchten zu lernen. Das gelang in der eben vergangenen Zeit leichter und näher, diese Kunst ward entsetzlich beherrscht. Doch nun wird, die Urheber der Furcht abgerechnet, ein uns gemäßeres Gefühl fällig.

Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern.

Ernst Bloch