Woche 13 – Wir rufen Dich, Galaktika

von Dota Kehr

Mit dem Titelsong des neuen Albums “Wir rufen Dich, Galaktika” taucht Dota Kehr zum zweiten Mal in meinem Song-Feature auf. Wenn fröhliche Lieder nicht von vornherein ausgeschlossen wären, würde ich wahrscheinlich einfach eine Dota-Kehr-Liste machen. Der Song ist ein Hilferuf, die Bitte nach einer einfachen Lösung für die vielfältigen gesellschaftlichen Probleme und Auseinandersetzungen, die uns so viel Zeit und Energie rauben.

Galaktika ist die gute Fee aus der Sendung “Hallo Spencer”. Wenn die Bewohner*innen des Dorfes sich wieder wegen irgendwelcher Kleinigkeiten zanken und alleine nicht mehr aus dem Ärger rauskommen, singen sie “Ich rufe dich, Galaktika, vom fernen Stern Andromeda…” und die genervte Fee aus dem All nimmt sich der Sache an und klärt, was zu klären ist.

Es ist nichts verkehrt daran, sich eine einfache Lösung zu wünschen. Die Realität ist eine andere und morgen müssen wir wieder rein in die Auseinandersetzung, raus auf die Straße oder ran an den Schreibtisch, von wo aus wir eben unseren Teil beitragen. Aber es muss auch die Momente geben, wo wir mal die Schultern hängen lassen, die Schwierigkeiten ausgiebig bedauern und (vielleicht zusammen mit anderen) den Wunsch ausdrücken, dass das gute Leben für alle ein bisschen leichter zu erreichen wäre.

Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder vergegenwärtigen, dass die meisten Menschen (und ja, auch Politiker*innen) im Grunde das Gleiche wollen, das gute Leben nämlich, und dass unsere Streits und Konflikte in der Regel nur eine Uneinigkeit darüber sind, wie wir das am besten erreichen. So vieles, was mir in meiner Arbeit begegnet, finde ich blöd und falsch und fahrlässig und ärgere mich darüber. Aber dahinter stecken häufig nur allzu verständliche Gefühle. Es ist nichts verkehrt daran, es sich gemütlich machen zu wollen und kein schlechtes Gewissen haben zu wollen. Es ist nicht per se falsch, von schönen, neuen Dingen begeistert zu sein oder unangenehme Veränderungen zu scheuen. Es ist sehr menschlich, Unfairness zu tolerieren, wo sie mich selbst begünstigt und Lösungen zu bevorzugen, die mich nicht beeinträchtigen.

Das Leben ist aber komplizierter und unsere Gefühle stehen oft im Gegensatz zu den notwendigen Veränderungen, für die wir uns einsetzen müssen. Diesen Konflikt auszutragen, mit uns selbst und mit Anderen, ist harte Arbeit und auch ich wünsche mir ab und zu, dass einfach eine gute Fee aus dem All auftaucht, unsere Streitereien auflöst, das Richtige wahr macht und sich nebenbei seufzend darüber beschwert, dass sie sich für so einen Kinderkram extra ein paar Lichtjahre weit herbeamen musste. Auch wenn sie natürlich nicht kommt.

Wir woll’n Komfort ohne Reue,

das Schicke und Neue

und die bleiben, die wir sind,

einfach Privilegien für alle

und Rettung, bevor es wehzutun beginnt.

Dota Kehr