Woche 10 – Cinema Therapy

Ein Beziehungstherapeut (Jonathan Decker) und ein Filmemacher (Alan Seawright) schauen sich gemeinsam Kinofilme an und sprechen darüber, was ihnen auffällt und sie bewegt. Die Kombi ist wie gemacht für YouTube und für mich eine helle Freude, seit ich darauf gestoßen bin. Wenn ich mit Freund*innen spreche, die ebenfalls Erfahrungen mit Psychotherapie oder persönlichem Coaching gemacht haben, kommen wir immer wieder auf den Punkt: “Ich würde das allen Leuten mal wünschen. Ich kenne niemanden, der nicht von einer Therapie profitieren würde.”

Die professionelle Reflexion der eigenen Lebensumstände und Wahrnehmungen durch eine außenstehende Person kann durch und durch bereichernd sein. Für mich stiftet sie einen realistischeren und vor allem nachgiebigeren Blick auf mich selbst, entlastet meine sozialen Beziehungen und hilft mir, meine Lebensprojekte produktiv anzugehen.

Filme sind ein großartiges Instrument, um Ideen über das menschliche Leben so zu transportieren, dass viele sie direkt sehen, hören und fühlen können. John und Alan ergänzen sich wunderbar gegenseitig mit ihren fachlichen Beiträgen und sie grenzen die Szenenauswahl gut ein, sodass sie zwar ihre Punkte ausführlich machen können, die Folgen aber insgesamt nicht zu lang werden. Mir gefällt auch, dass sie beide scheinbar nahtlos in ganz persönliche Beobachtungen und Empfindungen wechseln können. Ich wünsche mir, dass wir das mehr tun, auch als Gesellschaft.

Das erste Cinema Therapy Video, das ich gesehen habe, war zu dem Pixar-Film Soul. Ich bin ein großer Fan von Animationsfilmen für Kinder und Familien, weil sie so viel Herzlichkeit ausstrahlen, die mir sonst oft fehlt. In Soul geht es um den Sinn, den wir in unserem Leben finden und den Mut, uns der Möglichkeit des Scheiterns zu stellen. Gerade der Hinweis von Johnathan, dass wir auch unperfekte Menschen und Augenblicke in unserem Alltag wertschätzen können, war ein hilfreicher Anstoß für mich.

Ich war also angefixt und habe mir direkt die Folge zu Inside-Out (Alles steht Kopf) angeschaut. Schon in meinem Beitrag zu Nerdwriter (Woche 7) gab es einen Hinweis auf diesen Film und seinem Blick auf toxische Positivität und die Bedeutung von Trauer in einem gesunden Leben. Es ist sehr schön, hier einen “echten” Therapeuten, der tatsächlich Psychologie studiert hat, über die Art sprechen zu sehen, wie Emotionen und Erinnerungen bei uns Menschen funktionieren. Was Alan zu der Darstellung von depressiven Phasen im Film sagt (das Kontrollpanel schaltet ab), konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Es gibt auch eine Menge Nicht-Animationsfilme auf dem Kanal, aber ich möchte als drittes auf die Folge zu Zootopia hinweisen. Zwei weiße cis-Männer sprechen über Alltagsrassismus und -sexismus, unterbewusste Vorurteile und gesellschaftliche Privilegien. Das besondere für mich: Sie tun das auf eine angenehm behutsame Art und Weise, die in meinen Augen absolut nichts von der Aussagekraft ihrer Beobachtungen und Äußerungen wegnimmt (so scheint es jedenfalls mir, als weißem cis-Mann).

Der Kanal ist erst etwa ein Jahr alt. Die beiden haben also etwa angefangen, als diese Pandemie-Nummer uns allen gleichzeitig die Lebensumstände zerworfen hat. Ich finde es beeindruckend, dass die beiden in dieser Zeit die nötige Kraft und Motivation aufgebracht haben, ein neues Format zu produzieren (das ist gar nicht so einfach). Sie sind eingestiegen mit einer Reihe von Beiträgen, die uns in dieser Zeit großer Unsicherheit und eines stark veränderten Alltags hilfreiche Perspektiven bieten sollen. Weil ich die Bücher und Filme so mag und weil alle drei Folgen wirklich gute, wertvolle Gedanken herausstellen, empfehle ich euch zum Schluss die drei Episoden zu Herr der Ringe: