Podiumsdiskussion am Athenaeum

Am Freitag war ich an meiner alten Schule zur ersten Podiumsdiskussion aller Bundestagskandidat*innen im Wahlkreis. Der Politikleistungskurs hatte die Organisation übernommen, Schüler*innen konnten über ein Tool Fragen einreichen und upvoten und ein Lokalredakteur hat mit einem Schüler gemeinsam moderiert. Ich habe mich gefreut, wieder durch die Flure und Treppenhäuser zu laufen, vorbei an meinen alten Klassenräumen. Ich nehme zwei Dinge mit:

  1. Unser Wahlprogramm hat richtig Zug und kommt gut an, sowohl bei den Zuhörer*innen, als auch bei den anderen Parteien (ob sie es wollen oder nicht). Zwischen Sozialpolitik, Digitalisierung und Umwelt hat jeder Kandidat der anderen demokratischen Parteien mindestens eine Antwort begonnen mit: “Das ist schon richtig, was Herr Goldenstein gesagt hat und wir vertreten das so auch…”. Keine andere Partei ist so anschlussfähig und gleichzeitig progressiv. Das spiegelte sich auch in den Rückmeldungen, die ich im Nachhinein von Schüler*innen verschiedener Klassenstufen bekommen habe, die das Podium via Liveschalte im Klassenraum verfolgt hatten.

    Schöner letzter Eindruck: Zum Schluss gab es im Abstimmungstool eine Umfrage; “Wer hat dich am meisten überzeugt?”. Wir hatten ein Stück überzogen und waren zeitlich schon in der Pause, deshalb gab es nur eine abgegebene Stimme. Die war aber bei mir, deshalb gab es am Ende im Tool nur eine große Säule mit 100 % Zustimmung für “Claas Goldenstein”. Danke an dieser Stelle an die geduldige Unterstützerperson 😉

  2. Nachdem wir im Vorhinein lange Schriftwechsel zu der Frage hatten, ob ich überhaupt komme, wenn die AfD beteiligt ist, hatte ich unter der Maßgabe zugesagt, dass es eine professionelle Moderation gibt, die der Kandidatin nicht erlaubt, sich mit den gängigen Maneuvern aus der Verantwortung zu ziehen oder als zahmes Lamm darzustellen. Das hat nicht funktioniert.

    Schon die Einstiegsfrage hat ein Szenario aufgemacht, nach dem es eine AfD “mit Faschismus” und eine “ohne Faschismus” gibt und die Kandidatin sich aussuchen soll, wo sie sich zugehörig fühlt und ob sie sich von dem Rest distanzieren will. Die Kandidatin hat sich über dieses Geschenk gefreut und die absehbare Route eingeschlagen, sinngemäß: “Ich bin nirgendwo eingeordnet, ich gehe meinen eigenen Weg. Ich stelle mich total gegen jeden Extremismus, stehe aber auch voll hinter dem kompletten Parteiprogramm”. Das Nachhaken durch die Moderation, bei dem deutlich gemacht wird, dass man nicht hinter einem extremistischen Programm stehen und gleichzeitig gegen Extremismus sein kann, fiel aus. Stattdessen wurde der Claim der Kandidatin sogar wortwörtlich in den Zeitungsartikel übernommen, wo er unwidersprochen wirken darf. Daneben steht, sie habe sich “gut bürgerlich” gegeben. Klar, wenn man sie lässt, dann tut sie das.

    Nach dem Wirbel vorher und den vielen Versicherungen der ernsthaften und intensiven Auseinandersetzung unter den Beteiligten bin ich von dieser Performance enttäuscht. Das muss professionell(er) gehändelt werden. Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch seitens der Schüler*innen einen sichtbaren antifaschistischen Protest vermisst. An einer, “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” war auf derselben Bühne, wo noch vor wenigen Jahren Esther Béjarano saß, eine Faschistin zu Gast und es regt sich kein sichtbarer Widerstand.