Feministische Verkehrspolitik mit Swantje Michaelsen

In meinem 10. Livestream begrüße ich Swantje Michaelsen als zweiten Gast meines neuen Twitch-Formates. Swantje ist Bundestagskandidatin für Bündnis 90/Die Grünen in Hannover und arbeitet dort außerdem als verkehrspolitische Sprecherin der Regionsversammlung und Geschäftsstellenleitung beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.). In meinem Livestream tauschen wir uns über Swantjes Schwerpunktthemen, Verkehrspolitik und Feminismus aus.

Zuerst erfahre ich von ihr, wie sie von ihrem Geschichts- und Kunstgeschichtsstudium über das Interesse im Bereich Verbandsentwicklung zur Geschäftsstellenleiterin beim ADFC in Hannover wurde. Auf Swantjes bisherigem Lebensweg prägten sie zum einen ihre vielseitigen Auslandsaufenthalte zum anderen aber auch ihr Interesse und Engagement bezüglich der Verbandsarbeit besonders. Zusammen mit Menschen zu arbeiten, die sich für die gleiche Sache begeistern; das ist das, was sie so fasziniert.

„Tatsächlich war dann die ADFC-Stelle eine ziemlich tolle Mischung; also Klimaschutz einerseits, Mobilität war schon immer ein Thema, dass mich persönlich stark beschäftigt hat und was auch an vielen Stellen für Entscheidungen in meinem Leben wichtig war.“

Swantje Michaelsen

Darüber hinaus gibt Swantje einen Überblick über die Aufgaben, mit denen sie sich in ihrem Arbeitsalltag auseinandersetzt. Wie es in puncto Fahrradverkehr in Hannover, Swantjes Wohnort, aussieht und woran der aktuelle Entwicklungsstand gemessen werden kann, dazu erfahrt ihr mehr in dem Mitschnitt auf YouTube. Ebenfalls diskutieren wir gemeinsam über die Verkehrssituation in Städten wie Hannover und Lüneburg und die Sichtweisen der Gesellschaft zum Thema: Förderung des Radverkehrs in Deutschland. Außerdem suchen wir nach Wegen, wie Städte fahrradfreundlicher gestaltet werden können.

Neben ihrem Schwerpunktthema Verkehrspolitik liegt Swantje ebenso das Thema Feminismus sehr am Herzen. Dieser umfasst für sie nicht nur die Gleichberechtigung von Frauen in Verkehrsräumen, sondern schließt ebenso die allgemeine Barrierefreiheit mit ein.
In diesem Zusammenhang schaue ich mit Swantje gemeinsam auf einen spannenden Essay, der sich im Rahmen von Doing/Undoing Gender beispielhaft mit der Konstruktion von Geschlechtern auseinandersetzt und darstellt, wie die Kategorisierung der Geschlechter in unserer Gesellschaft zu Stande kommt.

“Wir interpretieren und verknüpfen in unserer Gesellschaft verschiedene kulturelle Merkmale mit den körperlichen naturgegebenen Geschlechtern. Das heißt, wenn wir Körper immer anschauen durch unsere Brille, durch unsere Erziehung unsere Gewohnheiten, dann gibt es das biologische Geschlecht, was vor jeder Anschauung liegt (…) nicht, sondern immer wenn wir Geschlecht anschauen, dann ist es immer gefärbt von dem Glas, durch das wir sie betrachten. Es gibt somit kein vordiskursives, anatomisches, natürliches Geschlecht.”

Claas Goldenstein

Der wichtigste Aspekt des Essays spiegelt sich für mich vor allem in seiner Schlusspointe: Unsere Wahrnehmung ist bereits so auf Zweigeschlechtlichkeit ausgerichtet, dass wir unsere Geschlechterkonstruktionen für Natur halten. Die Vielfalt von Körpern und Verhaltensweisen ordnen wir daher anhand unserer kulturellen Rasters nur zwei Geschlechtern zu.
Das Verschwinden von bipolarer Geschlechtlichkeit bedeutet nicht, dass die körperlichen Gegebenheiten ignoriert werden, aber sie ermöglicht die direkte Adressierung von Körpermerkmalen und macht die tatsächliche vielfältige Betrachtung von Geschlechtern erst möglich.
Inwiefern diese Thematik auf Swantjes Schwerpunktthema der Verkehrspolitik übertragen werden kann und wie man den Schlüsselaspekt dieser Thematik nahbar und greifbar herunterbrechen kann; das ist ein weiterer Punkt auf der Agenda, über den wir uns im Livestream unterhalten kann.

Darüber hinaus erklärt Swantje, warum die Verkehrsplanung und die Verkehrspolitik die Frauen und andere Menschengruppen mehr in den Blick nehmen sollte und was sich auch für Vorteile für Männer aus dieser Perspektive heraus ergeben können. Eine ganz persönliche Bedeutung hat dabei für sie auch die Rede von Astrid Lindgren zum Thema Gewalt.
Aus dem Abend konnte ich einige Gedankenanstöße für mich mitnehmen und bedanke mich hiermit noch einmal bei Swantje für diesen wunderbaren Austausch und die verschiedenen Gedankenanstöße. Mehr zu unserem Gespräch und weitere Einzelheiten findet ihr im Mitschnitt des Livestreams auf meinem YouTube-Kanal.

Links aus der Folge:

Literatur aus der Folge:

  • Yen Sulmowski (2013): Zum Beispiel wegen des Geschenkpapiers
  • Caroline Criado-Perez (2020): Unsichtbare Frauen

Falls ihr Interesse daran habt, bei meinem nächsten Livestream dabei zu sein, freue ich mich sehr. Die Sendung läuft jeden Donnerstag von 19-21 Uhr auf meinem Twitch-Kanal. Mehr zu den kommenden Themen und Gäste findet ihr hier.